Dialog zwischen Politik und Landwirtschaft gestärkt

22.10.2020
Bereits auf eine 30-jährige Tradition konnte Johannes Brünker, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Bonn/Rhein-Sieg, zurückblicken, als er am 12. Oktober auf dem Betrieb von Marcel Andree in Neunkirchen-Seelscheid im Namen des Förderkreises Landwirtschaft im Rhein-Sieg Kreis und der Stadt Bonn zahlreiche Politiker und Vertreter der Presse begrüßen konnte. Die Gäste sollen bei diesem Termin erfahren und erleben, wie moderne Landwirtschaft funktioniert.

Rainer Viehof, Bürgermeister Eitorf, Konstantin Pauly, Geschäftsführer der Kreisbauernschaft Bonn/Rhein-Sieg, Johannes Brünker, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Bonn/Rhein-Sieg, Jörn Freynick MdL, Elisabeth Winkelmeier-Becker, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, Renate Frohnhöfer, MdK Rhein-Sieg, Nicole Westig MdB, Oliver Krauß MdL, Dietmar Tüschenbönner, stellvertretender Vorsitzender Kreisbauernschaft Bonn/Rhein-Sieg, Norbert Büscher, Bürgermeister Much, Franziska Müller-Rech MdL, Nicole Berka, Bürgermeisterin Neunkirchen-Seelscheid, Sebastian Schuster, Landrat Rhein-Sieg-Kreis (v.l.n.r).

Marcel Andree stellte seinen Betrieb vor, den er im Jahre 2015 von Onkel und Tante übernommen hat. 2016 folgten große Investitionen in Stallbau und Fahrsiloanlage und 2017 konnten die Tiere in den neuen, luftigen und großzügigen Stall einziehen. Es werden circa 125 Mutterkühe mit Nachzucht gehalten. Der engagierte Junglandwirt appellierte an die anwesenden Politiker, sich dafür einzusetzen, dass den jungen Leuten nicht der Spaß an ihrem schönen Beruf genommen würde. Als Landwirt habe man viel Arbeit, wenig Geld und man müsse sich auch noch als Tierquäler und Umweltverschmutzer titulieren lassen. „Wie sollen unter diesen Voraussetzungen junge Leute motiviert werden?“, fragte er die Politiker. Beim Rundgang durch den Stall konnten die Vertreter von Politik und Presse sich davon überzeugen, wie wohl sich die Tiere in dem neuen Stall fühlen. Investitionen in neue moderne Stall-anlagen sind jedoch sehr kapitalintensiv und langfristig angelegt. Hier forderte der Betriebsleiter verbesserte Rahmenbedingungen und mehr Verlässlichkeit von der Politik.

Dora Wegner, Studentin der Agrarwissenschaften, gab einen Einblick in die aktuelle Situation der Rinderbetriebe: Die Vollkosten in der Milchproduktion würden nur zu 80 % gedeckt, die knappe Grundfuttersituation aufgrund der Trockenheit habe darauf entscheidenden Einfluss. Das mittlerweile dritte Dürrejahr in Folge habe zu starken Futterzukäufen geführt, was die Kosten erheblich in die Höhe treibe. Auch der Fleischmarkt habe sich – coronabedingt – im Vergleich zum Vorjahr nicht positiv entwickelt.

Im Gartenbau hätten die beiden großen Verursacher, Corona und trockene Witterung, die Wirtschaftlichkeit ebenfalls negativ beeinflusst, wusste Philip Wißkirchen, der junge Betriebsleiter eines Kernobstbetriebs aus Meckenheim, zu berichten. „Gemüsebau ist ohne Beregnung faktisch nicht mehr möglich. Hierzu sind hohe Investitionen notwendig.“ Der Absatz bei vielen Gemüsearten sei 2020 niedrig gewesen und die Ernte durch weniger Erntehelfer zu Saison-beginn problematisch. Durch die Anstrengung aller Beteiligten, besonders der Verbände, konnten Lösungen gefunden werden. Viele Verbraucher schätzten die regionale Produktion und besonders der Direktabsatz im Hofladen hätte im ersten Halbjahr 2020 davon profitiert, so Philip Wißkirchen. Im Zierpflanzenbau sei bis Ostern der Markt völlig zusammengebrochen, aber danach hätte er sich erholt.

Wie es im Ackerbau aussah, berichtete Marc Grohmann, staatlich geprüfter ­Agrarbetriebswirt. Die Trockenheit habe regional sehr unterschiedlich zugeschlagen. „Je nach Standort und Bodenart waren die einzelnen Kulturen sehr unterschiedlich betroffen. Ertragsspitzen bei Getreide wurden selbst auf besten Standorten selten erreicht und auf leichten Böden waren historisch schlechte Erträge von unter 5 t je ha zu verzeichnen.“

Alle Situationsberichte zeigten, dass die Landwirtschaft mit enormen Problemen zu kämpfen habe, betonte Johannes Brünker. Elisabeth Winkelmeier-Becker, Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, hob hervor, dass Politik und Landwirtschaft nur in einem Miteinander Lösungen finden könnten. Die gesellschaftlichen Erwartungen seien sehr hoch, aber das müsse sich auch in den Preisen für landwirtschaftliche Produkte widerspiegeln. Alle waren sich einig, dass es ein Mehr  an Miteinander geben müsse. Runde  Tische, wie sie oft auf Gemeinde- und Kreisebene stattfänden, müssten sich etablieren, um einen besseren Dialog zwischen Politik und der Praxis zu finden, und dieses Miteinander müsste auch auf die Landes- beziehungsweise Bundesebene gebracht werden.


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