Gemeinsam die Dinge meistern

23.05.2019
Arbeitsgespräch der Kreisbauernschaft Düren mit dem Landrat

Der Kreisvorsitzenden Erich Gussen (2.v.r.) und Landrat Wolfgang Spelthahn (3.v.r.) konnten sich freuen. Zum ersten Mal waren auch viele Bürgermeister bei ihrem Arbeitsgespräch dabei. Foto: Michael Niesen

Zur bereits sechsten Auflage eines gemeinsamen Arbeitsgespräches luden der Landrat des Kreises Düren, Wolfgang Spelthahn, und Erich Gussen, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Düren, alle Landwirte ein, gemeinsam mit dem obersten Verwaltungschef die aktuellen Entwicklungen innerhalb des Kreises, aber auch die allgemeinen Sorgen und Nöte des landwirtschaftlichen Berufsstandes im Kreis Düren zu diskutieren. Erstmalig waren zum Arbeitsgespräch auch die Bürgermeister aller Kommunen im Kreis geladen, die sich ebenso zahlreich einfanden wie auch in die Diskussionen einbrachten, die unmittelbare kommunale Interessen berührten. Die Landtagsabgeordnete für den Dürener Nordkreis, Dr. Patricia Peill, ließ es sich ebenfalls nicht nehmen, an diesem Gespräch teilzunehmen.

Immenser Flächenverbrauch

Bereits in seiner Einführung machte Gussen deutlich, welche Themen die Dürener Landwirte zurzeit am meisten beschäftigen. Insbesondere der zunehmend diskutierte Strukturwandel im Rheinischen Revier sowie die weiterhin nicht enden wollende Problematik des Flächenverbrauches stellte der Vorsitzende in den Vordergrund seiner Ausführungen. So sparte er denn auch nicht mit deutlicher Kritik an den aktuellen Verfahrensweisen bei der Eingriffs- und Ausgleichsregelung bei Planvorhaben einzelner Kommunen. Gussen forderte von der Verwaltung, „endlich einmal auf vorhandene Ökokonten zurückzugreifen, anstatt weiterhin wenig sinnhaft und pauschal Flächen der landwirtschaftlichen Produktion dauerhaft zu entziehen“. Der Vorsitzende stellte zudem dar, welchem weiteren immensen Flächenbedarf – nicht zuletzt auch durch die anstehenden Umsetzungen von Strukturentwicklungsmaßnahmen, Stromtrassen oder den ständigen Forderungen nach der Ausweisung von neuen Gewerbegebieten – die Landwirtschaft zukünftig ausgesetzt sein werde und forderte, dem weiterhin anhaltenden Verbrauch hochwertiger landwirtschaftlicher Flächen nachhaltig Einhalt zu gebieten. „Die Notwendigkeit einer nachhaltigen Strukturentwicklung des Kreises – insbesondere vor dem Hintergrund der großen Herausforderungen für die Zeit nach der Braunkohleförderung – wird selbstverständlich auch von Seiten der Landwirtschaft erkannt und akzeptiert“, so Gussen. Gleichwohl sei auch die Umsetzung dieses Ziels über ein intelligenteres Flächenmanagement, etwa die Inanspruchnahme von Industriebrachen, deutlich flächenschonender zu erreichen.

Berufsstand einbeziehen

Diese Forderung richtete der Vorsitzende dann auch unmittelbar an die anwesenden Vertreter der Kommunen, trotz der bestehenden Flächen- und Entwicklungsbedarfe auch die Belange der Landwirtschaft nicht aus den Augen zu verlieren. Es könne etwa nicht sein, dass in vielen Kommunen derzeit wahllos Anträge über Neuaufschlüsse von Kiesabgrabungen gestellt werden, ohne dass sich hierzu eine Kommune gegenüber planungsrechtlich verwahre, so Gussen. Der Strukturwandel könne nur dann erfolgreich sein, wenn es gelinge, im Rheinischen Revier neue und innovative Wertschöpfungen zu etablieren. Hierzu könne gerade die Landwirtschaft in Kooperation mit der Forschung in einer Gunstregion im Sinne eines „FoodValley“ insbesondere im Bereich der Bioökonomie einen wesentlichen Beitrag leisten, unterstrich der Vorsitzende schließlich den Anspruch des Berufsstandes auf eine Mitgestaltung des weiteren Entwicklungsprozesses.

Landrat Spelthahn griff in seinen Ausführungen den Schwerpunkt der Diskussionen auf und betonte zunächst, wie wichtig er diesen Dialog mit der Landwirtschaft empfinde. „Die Landwirtschaft ist weiterhin eine der tragenden Säulen des Kreises Düren als ländlich geprägte Region. Der Kreis Düren ist ohne Landwirtschaft nicht vorstellbar“, so der Landrat. Er thematisierte auch die aktuellen politischen Diskussionen zum beschlossenen Kohleausstieg und die damit verbundenen Auswirkungen für den Kreis Düren. So sei der Kreis Düren mit seinen drei noch aktiven Tagebauen durch den Ausstiegsbeschluss die flächenmäßig am stärksten betroffene Region in Deutschland und habe mit dem nun anstehenden Strukturwandel die bedeutendste und wichtigste Aufgabe und Herausforderung in den kommenden Jahren zu meistern. Der Landrat beschwor hierbei nicht zuletzt den gemeinsamen Schulterschluss aller beteiligten Akteure. Nur so könne es gelingen, erfolgreiche Entwicklungen zum Wohle aller im Kreis Düren herbeizuführen. Dabei griff Spelthahn dann auch die Planungen zu neuen Gewerbeansiedlungen etwa den „Brainergy Park“ in Jülich oder den Campus Aldenhoven auf, bei deren jeweiliger Planung es vorbildlich gelungen sei, verschiedene kommunale Interessen zu bündeln und auch im Sinne eines gemeinsamen Flächenschutzes bereits vorhandene „Altflächen“ einzubinden.

Der Landrat machte nochmals deutlich, dass zwar grundsätzlich der zukünftigen Sicherung von Arbeitsplätzen im Kreis Düren bei allen Überlegungen rund um den Strukturwandel Rechnung getragen werden müsse. Dies dürfe aber nicht dazu führen, den hiesigen landwirtschaftlichen Gunststandort auf Dauer abzuschaffen. „Alle Planungen und Entwicklungsziele sind daher nur in einem engen Dialog mit der Landwirtschaft zu verwirklichen“, so Spelthahn. Die Teilnehmer erhielten in der weiteren Diskussion die Gelegenheit, zahlreiche weitere Themen anzusprechen, die sie persönlich oder vor Ort bewegen. Der Landrat sagte dort, wo er konnte, eine zeitnahe Abhilfe zu.

Mit großer Zustimmung nahmen die Landwirte die Ausführungen des Landrates zur Kenntnis. „Wir leben in einer Zeit mit großen Herausforderungen, die wir letztlich nur gemeinsam meistern können“, warb Gussen für eine weiterhin konstruktive Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Verwaltung und dankte sowohl dem Landrat als auch den anwesenden Bürgermeistern für ihre stets offenen Ohren rund um die Belange des Berufsstandes.