Auswirkungen der „Futtermittelwende“

29.07.2015
LZ-Interview mit Prof. Michael Schmitz von der Universität Gießen --- Welche Auswirkungen hätte eine Umstrukturierung der Landwirtschaft, wie sie Bündnis 90/Die Grünen in ihrer „Agrarwende“ fordern? Dazu hat die in Bonn erscheinende Agrarfachzeitschrift LZ Rheinland Prof. Michael Schmitz von der Universität Gießen befragt.

In seiner Studie zur „Futtermittelwende“, die eine schrittweise Umstellung auf heimische Futtermittel und auf nachhaltig produziertes, GVO-freies Soja als Futtermittel, untersucht, zeigt Prof. Michael Schmitz, welche Auswirkungen die Umstellung von Futtermitteln auf den Markt hätte. Was würde das für die Wirtschaft bedeuten? „Deutschland würde einen Verlust von etwa 10 Mrd. € jährlich erleiden müssen und auch Markt- und Exportanteile bei Produkten verlieren, die nicht unmittelbar betroffen sind“, so der Gießener Wissenschaftler. Die Produktion von Rindfleisch würde um 5,4 %, von Schweine- und Geflügelfleisch um 7,2 % und von Milchprodukten um 6,6 % zurückgehen. Bei einem deutschen Alleingang würden diese Verluste mit 6,4 %, 8,3 % und 7,4 % noch größer ausfallen, während die übrigen EU-Länder Produktionsanteile hinzugewinnen würden.

Interessant seien auch die Auswirkungen auf die Exporte, die noch deutlicher zurückgehen würden, während die übrigen EU-Länder Exportanteile gewinnen würden. Und diese Verluste müssten nicht sein, wie die Studie deutlich zeige. Umweltschutz hier und in Südamerika lasse sich sehr viel preiswerter erreichen. Eine „Agrarwende“ wäre seines Erachtens nur mit erheblichen Kosten zu erreichen. „Wichtig war uns, dass die internationale Arbeitsteilung und der Agrarhandel nicht grundsätzlich in Frage gestellt werden, weil daraus sehr viel Wohlfahrt, Arbeitsplätze und Einkommen generiert werden. Diese sollte man nicht ohne Not zerstören. Insbesondere ein deutscher Alleingang wäre nicht förderlich“, betonte Prof. Schmitz gegenüber der LZ Rheinland.

Auf die Frage, ob der Verbraucher die Mehrkosten der „Agrarwende“ bezahlen würde, antwortete er: „An der Kasse entscheiden sich die Leute immer noch zu 93 % für die moderne arbeitsteilige konventionelle Landwirtschaft. Die Bereitschaft zur Bezahlung der Mehrkosten würde vor allem dann drastisch sinken, wenn die Verbraucher erführen, dass man denselben Umweltschutz sehr viel preiswerter mit anderen Mitteln erreichen kann als über eine Handelsunterbrechung.“

Das Interview ist in voller Länge nachzulesen unter www.lz-rheinland.de.


Pressekontakt

Ansprechpartnerin

Andrea Hornfischer 
Tel.: 0228/52006-529
Email schreiben

Marilena Kipp
Tel: 0228/52006-551
Email schreiben