Sorgen vor dem Wolf

24.02.2016
RLV: Zuwanderung des Wolfes darf nicht auf dem Rücken der Tierhalter erfolgen --- Die erwartete und von Naturschützern erwünschte Einwanderung der Wölfe nach Nordrhein-Westfalen könnte die heimischen Tierhalter vor erhebliche Probleme stellen.

Foto: Dr. Elisabeth Legge

Das ist, wie der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV) mitteilt, auf der Veranstaltung „Der Wolf in NRW“ deutlich geworden, zu der die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Düsseldorfer Landtag  vergangene Woche in den Landtag eingeladen hatte.

„Der Wolf macht nicht vor Ländergrenzen halt und auch nicht vor NRW.  Alle, die den Wolf hierzulande wieder heimisch machen wollen, sollten die zunehmenden Ängste und Sorgen der betroffenen Menschen nicht übersehen“, so der Appell der landwirtschaftlichen Vertreter an Politiker und Naturschützer. Schäden durch den Wolf, der nicht durch natürliche Feinde bedroht werde, seien den Landwirten nicht zuzumuten.

„Wir Schäfer sind als Artenschützer nicht diejenigen, die sagen, eine Gesellschaft kann sich eine Tierart leisten oder nicht“, erläuterte dazu Ortrun Humpert. Nach den Worten der Vorsitzenden des Landesschafzuchtverbandes NRW erwarten die Schäfer aber von Gesellschaft, Politik und Verwaltung eine angemessene, vorausschauende und dynamische Prävention und Entschädigung. Die Schaf- und Ziegenhaltung habe keinen Cent und keine Minute übrig für den vielfach geforderten Herdenschutz, der über die gute fachliche Praxis hinausgehe und in bestimmten Gebieten sogar überhaupt nicht machbar sei, erläuterte Humpert.

Dass durch die Rückkehr des Wolfes auch die Weidehaltung von Mutterkühen in Mitleidenschaft gezogen wird, machte Dr. Franz Weyermann vom RLV deutlich. Insbesondere die Kälber und Fresser seien durch den Wolf gefährdet, wie Vorfälle aus anderen Bundesländern und aus dem benachbarten Frankreich belegten. Außerdem zeigten Herden nach einem Angriff oftmals ein extrem nervöses Verhalten. Daher könnten gerade in dicht besiedelten und verkehrsreichen Gebieten wie NRW Angriffe von Wölfen Panikfluchten angegriffener Herden auslösen, die ein erhebliches Gefährdungspotenzial darstellten, so die Befürchtung. In jedem Fall müssten verhaltensauffällige und wiederholt Weidetiere bedrohende Wölfe einreguliert werden. Zudem müssten jegliche wirtschaftliche Nachteile, die durch den Auftritt des Wolfes entstünden, den Weidetierhaltern verlässlich und in voller Höhe ausgeglichen werden. „Wenn die Politik mehr Weidehaltung fordert, muss sie gleichzeitig dafür sorgen, dass die Weidehaltung auch unbeschadet durchgeführt werden kann. Die Zuwanderung des Wolfes darf nicht auf dem Rücken der Tierhalter erfolgen“, machte der RLV-Referent unmissverständlich deutlich.

Wie der RLV weiter mitteilt, existiere nach Angaben des Düsseldorfer Umwelt- und Landwirtschaftsministeriums in NRW bereits seit Anfang 2010 eine Arbeitsgruppe (AG) „Wolf in NRW“, der verschiedene Behörden und Verbände angeschlossen seien. Aktuell erarbeite die AG einen Handlungsleitfaden beziehungsweise Wolf-Managementplan mit Hinweisen für den Umgang mit Wölfen, der im Entwurf vorliege. Darüber hinaus werde derzeit eine „Förderrichtlinie Wolf“ zur Regelung von Nutztierverlusten und von Präventionsmaßnahmen vorbereitet. So soll bei Nutztierverlusten der Verlust des Tieres entschädigt und die Kosten für die Beseitigung des Tierkörpers und die Tierarztkosten übernommen werden. Bei den Präventionsmaßnahmen sollen die Kosten für wolfsabweisende Zäune und die Anschaffung eines Herdenschutzhundes gefördert und dazu Mittel aus dem Naturschutzetat herangezogen werden.


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