Weidetierhalter fordern mutige Schritte

02.05.2019
Im Vorfeld der nächsten Umweltministerkonferenz am 8. und 9. Mai in Hamburg haben sich in der vergangenen Woche mehrere Verbände in Nordrhein-Westfalen auf eine gemeinsame Position zum Umgang mit dem Wolf verständigt.

In einem Schreiben an NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser fordern neben den Landwirtschaftsverbänden Rheinischer Landwirtschafts-Verband (RLV) und Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband (WLV) auch die Landesvereinigung Ökologischer Landbau, der Schafzuchtverband Nordrhein-Westfalen, das Fleischrinder-Herdbuch Bonn sowie die Arbeitskreise Pferde- und Rinder/Mutterkuhhaltung bei WLV und RLV eine mutige Fortentwicklung beim Wolfsmanagement und gezielte Maßnahmen zur Unterstützung der bedrohten Weidetierhaltung.

Mit der bundesweit wachsenden Wolfspopulation habe die Zahl der Nutztierrisse bedrohlich zugenommen, schreiben die Verbände. Davon betroffen sei inzwischen auch Nordrhein-Westfalen. Nach Verbandsangaben sind im vergangenen Jahr bereits in NRW über 50 Nutztiere dem Wolf zum Opfer gefallen. Die Weidetierhaltung, so die Verbände weiter, sei gesellschaftlich jedoch ausdrücklich gewollt, insbesondere Artenschutz und Biodiversität stünden in enger Verbindung zur Weidewirtschaft. Deren Gefährdung könne nicht Ziel einer nachhaltigen Landwirtschafts- und Artenschutzpolitik sein. Zum Schutz der Weidetierhaltung bedürfe es kurzfristig einer rechtssicheren und wirkungsvollen Strategie zur schnellen Entnahme auffälliger Wölfe. Der von Bundesministerin Svenja Schulze Anfang März angekündigte Vorschlag reiche dazu aber nicht aus. Vielmehr müssten Erfahrungen und Lösungsansätze anderer Mitgliedstaaten mit in den Blick genommen werden. So könne etwa wie in Frankreich bei gleichem EU-Schutzstatus eine jährliche Quote von Wölfen definiert werden, die nach Auffälligkeiten auf lokaler Ebene unbürokratisch zu entnehmen seien.

Darüber hinaus drängen die Verbände auf Nachbesserungen bei der Entschädigung von Nutztierrissen und bei der Förderung des Herdenschutzes. So seien Folgekosten nach wie vor nicht förderfähig. Erforderlich sei auch eine erhebliche Beschleunigung der DNA-Untersuchungen für Entschädigungsleistungen. Weiterhin drängen die Verbände auf eine angemessene Unterstützung der Weidetierhaltung über die zweite Säule. Sofern förderrechtliche Bestimmungen der EU dies nicht ermöglichten, sei im Rahmen des GAP-Reformprozesses eine entsprechende Anpassung vorzunehmen.

Nicht zuletzt halten die Verbände in NRW eine offene und ehrliche Diskussion über „wolfsfreie Gebiete“ und eine Regulierung des Bestands für angezeigt. Angesichts des unverminderten Populationswachstums in Deutschland müsse der Erhaltungszustand des Wolfes jährlich und nicht nur alle sechs Jahre und zudem grenzüberschreitend bewertet werden. Bei Erreichen des günstigen Erhaltungszustands müsse eine aktive Regulierung des Bestands auf den Weg gebracht werden. Hierauf gelte es schon jetzt vorbereitet zu sein.


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