Humanitäre Hilfe leisten – Versorgungsstrategie entwickeln
Vorstand des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes verabschiedet Positionspapier
Vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise hat sich der Vorstand des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes (RLV) in einer Sondersitzung mit den Folgen des russischen Angriffskrieges auseinandergesetzt. Dabei standen neben der rein landwirtschaftsbezogenen Betrachtung insbesondere die humanitäre Krise und die Möglichkeiten der Hilfeleistungen durch die rheinischen Landwirte im Mittelpunkt der Diskussion.
RLV-Präsident Bernhard Conzen stellte klar, dass in der aktuellen Situation humanitäre Hilfeleistungen für die vom Krieg schwer betroffenen Menschen in der Ukraine oberste Priorität hätten. Er ruft die Verbandsmitglieder dazu auf, sich der großen Hilfsbereitschaft der Bevölkerung anzuschließen. Geld- oder Sachspenden sowie die Bereitstellung von Unterkünften für Flüchtlinge würden jetzt dringend benötigt.
„Schwere Krisensituationen wie die gegenwärtige sollten neben dem Ergreifen akut notwendiger Hilfsmaßnahmen stets auch Anlass dazu geben, Rahmenbedingungen und Entwicklungen grundsätzlich auf den Prüfstand zu stellen und erforderliche Korrekturen vorzunehmen,“ so Conzen.
Der Verbandsvorstand regt an, angesichts der enormen Steigerung der Produktionskosten im Rahmen kurzfristiger Maßnahmen die Erhöhung der Agrardieselerstattung ins Auge zu fassen. Auch die Verlängerung der 70-Tage-Regelung wäre zu Sicherung der Obst- und Gemüseernte ein wichtiger Schritt zur Stabilisierung der Versorgung mit regional erzeugter Frischware.
Vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine und den sich daraus ergebenden Auswirkungen auf die Versorgung mit Lebensmitteln sind aus Sicht des RLV-Vorstandes nicht die Ziele der Agrarpolitik zu hinterfragen. Allerdings gelte es, das agrarpolitische Instrumentarium zu deren Erreichung neu zu justieren. So sei zu prüfen, inwieweit die bereits für die Herbstaussaat 2022 relevante EU-Vorgabe einer 4 %-igen Stilllegung von Ackerflächen ohne jede Nutzungsmöglichkeit sinnvoll ist. Statt hochproduktive Flächen aus er Nutzung zu nehmen, könnte dort etwa der in der Vergangenheit bewährte Anbau von Raps eine sinnvolle Alternative sein.
Der Vorstand des RLV stellt unmissverständlich klar, dass der erzielte gesellschaftliche Konsens zur Weiterentwicklung einer klima- und umweltgerechten Landwirtschaft in Deutschland außer Frage stehe. In der aktuellen Situation gehe es jedoch darum, die Potentiale der Landwirtschaft insbesondere in den leistungsfähigen Regionen des Rheinlandes nicht einfach brachfallen zu lassen, sondern zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit zu nutzen.
Das ganze Positionspapier ist hier zu finden.





