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Foto: Sabine Weis

Heimischer Obstbau braucht faire Bedingungen

Nur noch rund ein Fünftel des Obstes, das in Deutschland gegessen wird, stammt aus heimischem Anbau. Wenn sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht verbessern, könnte dieser Anteil weiter sinken. Denn viele Obstbaubetriebe stehen zunehmend unter wirtschaftlichem Druck.

Steigende Löhne, Energiepreise, Betriebsmittel- und Investitionskosten treffen auf Erlöse, die diese Mehrkosten häufig nicht ausreichend auffangen. Gerade der Obstbau ist besonders arbeitsintensiv. Äpfel, Erdbeeren und Kirschen ernten, Bäume schneiden oder Früchte sortieren: Viele Arbeiten müssen weiterhin von Hand erledigt werden und lassen sich nur begrenzt automatisieren. Faire Löhne für die Beschäftigten sind dabei wichtig. Gleichzeitig müssen die erzeugten Produkte Preise erzielen, mit denen die Betriebe ihre Lohn- und Produktionskosten erwirtschaften können.

Hinzu kommt ein zunehmender Wettbewerbsdruck. Heimische Obstbaubetriebe produzieren nach hohen Umwelt-, Sozial- und Qualitätsstandards und tragen die damit verbundenen Kosten. Gleichzeitig konkurrieren sie mit Importen aus Ländern, in denen teilweise unter deutlich anderen Kosten- und Produktionsbedingungen gearbeitet wird. Hohe Standards dürfen nicht dazu führen, dass ausgerechnet die heimische Erzeugung zunehmend aus dem Markt gedrängt wird.

Wenn ein Obstbaubetrieb aufgibt oder eine Obstanlage gerodet wird, lässt sich diese Entwicklung nicht kurzfristig umkehren. Mit den Betrieben gehen Produktionskapazitäten, Fachwissen, Arbeitsplätze, regionale Wertschöpfung und über Generationen gewachsene Strukturen verloren. Gleichzeitig steigt die Abhängigkeit von Importen. Wer heimisches Obst, kurze Wege und regionale Wertschöpfung will, muss deshalb dafür sorgen, dass Obst auch in Deutschland wirtschaftlich erzeugt werden kann. Dafür braucht es Rahmenbedingungen, die hohe Standards, faire Löhne und eine wirtschaftlich tragfähige Produktion miteinander vereinbaren.

Auf diese Situation machen Obstbäuerinnen und Obstbauern unter dem Motto „Ein Fünftel ist nicht genug“ ab dem 8. Oktober bundesweit aufmerksam.

Im Rheinland findet die Aktion am Sonntag, 11. Oktober 2026, auf dem Forum Landwirtschaft der Landesgartenschau in Neuss statt. Besucherinnen und Besucher können dort heimische Äpfel und Birnen probieren und sich von der Qualität regional erzeugten Obstes überzeugen. Zugleich haben sie die Möglichkeit, mit Obstbäuerinnen und Obstbauern ins Gespräch zu kommen und mehr über ihre Arbeit, ihre Sorgen und die aktuellen Herausforderungen im heimischen Obstbau zu erfahren.