CO₂-Preis: Landwirtschaft braucht mehr als eine Atempause
RLV: Preiskorridor für 2027 ist ein erster Schritt – landwirtschaftlich eingesetzte Kraftstoffe müssen dauerhaft von der CO₂-Bepreisung ausgenommen werden
Bonn, 6. Oktober 2026 Die aktuell in der Bundespolitik diskutierte und für 2027 geplante Ausgestaltung des CO₂-Preiskorridor bewertet der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV) als notwendigen ersten Schritt. Der vorgesehene Rahmen von 55 bis 65 Euro je Tonne CO₂ verhindert zwar einen bisher geplanten stärkeren Preissprung, schafft für die landwirtschaftlichen Betriebe aber keine echte Entlastung. Der RLV fordert deshalb eine dauerhafte Lösung: Landwirtschaftlich eingesetzte Kraftstoffe müssen von der CO₂-Bepreisung ausgenommen werden. Der RLV fordert die Mitglieder der Regierungskoalition im Bundestag ebenso wie die Bundesländer auf, geschlossen für die Entlastung der Landwirtschaft einzutreten.
Denn für viele landwirtschaftliche Arbeitsprozesse stehen bislang keine praxistauglichen Alternativen zu fossilen Kraftstoffen zur Verfügung. Schlepper, Erntemaschinen und andere Arbeitsgeräte sind für die Lebensmittelproduktion unverzichtbar und können derzeit nicht flächendeckend mit alternativen Antrieben betrieben werden. Die CO₂-Abgabe erzeugt deshalb kaum die gewünschte Lenkungswirkung. Stattdessen verteuert sie Diesel sowie indirekt Mineraldünger, Transporte, Trocknung, Kühlung und weitere Vorleistungen. Diese Mehrkosten können die Betriebe aufgrund ihrer schwachen Marktposition meist nicht weitergeben. Zugleich entsteht eine erhebliche Wettbewerbsverzerrung gegenüber Importen aus Ländern, in denen keine vergleichbaren CO₂-Kosten und Produktionsstandards gelten.
„Der Preiskorridor verschafft den Betrieben allenfalls eine kurze Atempause. Er geht nicht weit genug. Solange belastbare technische Alternativen fehlen, ist die CO₂-Bepreisung landwirtschaftlich eingesetzter Kraftstoffe weder klimapolitisch sinnvoll noch wirtschaftlich vertretbar. Sie verteuert unmittelbar die heimische Erzeugung, ohne dass die Betriebe ihren Kraftstoffverbrauch einfach reduzieren können“, erklärt der RLV.
Besonders kritisch sieht der Verband die Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit „Wenn heimische Lebensmittel durch zusätzliche CO₂-Kosten teurer werden, während Importe ohne vergleichbare Belastungen und unter niedrigeren Umwelt- und Sozialstandards erzeugt werden, erhalten diese einen Preisvorteil. Damit verlagert sich die Lebensmittelproduktion verstärkt ins Ausland. Dem Klima und der Versorgungssicherheit wäre dadurch nicht geholfen“, erklärt der RLV.
Die Politik ist gefordert, zügig Planungssicherheit für 2027 zu schaffen und zugleich eine dauerhafte Perspektive für die Landwirtschaft auf den Weg zu bringen. „Wer regionale Lebensmittelproduktion erhalten will, darf sie nicht künstlich verteuern. Die Landwirtschaft braucht eine verlässliche Perspektive statt jährlich neuer Unsicherheit. Der Preiskorridor kann daher nur der Anfang sein“, betont der RLV.





