Erntebilanz 2026: Getreide durchschnittlich – bei Herbstkulturen drohen massive Ertragseinbußen
Bonn, den 20. August 2026 – Der Präsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes (RLV), Erich Gussen, zieht Bilanz zur Ernte 2026 und blickt auf die noch ausstehenden Herbstkulturen. Hitze und anhaltende Trockenheit setzen den Beständen zu, während hohe Betriebskosten und stark schwankende Erzeugerpreise den wirtschaftlichen Druck auf die landwirtschaftlichen Betriebe weiter verschärfen.
Getreide bleibt die wichtigste Ackerkultur im Rheinland. Insgesamt dürfte die Erntemenge in diesem Jahr bei rund 1,1 Millionen Tonnen liegen und damit etwa 14 Prozent unter dem Vorjahresniveau. „Beim Weizen sind wir trotz extremer Temperaturen und fehlender Niederschläge mit einem blauen Auge davongekommen“, erklärt RLV-Präsident Erich Gussen. Im Rheinland wurden beim Winterweizen durchschnittlich rund 87 Dezitonnen pro Hektar geerntet – gut acht Prozent weniger als im vergangenen Jahr. Die Wintergerste erreichte rund 84 Dezitonnen pro Hektar.
Die Erntemengen allein sagen nach Einschätzung des RLV wenig über die wirtschaftliche Lage der Betriebe aus. Hohe Kosten für Diesel, Dünger, Pflanzenschutz und Energie treffen auf stark schwankende Erzeugerpreise. „Die Preise am Getreidemarkt reagieren derzeit von Tag zu Tag auf geopolitische Krisenherde und Äußerungen der beteiligten Akteure. Für unsere Betriebe ist das kaum planbar“, betont Gussen. Unter diesen Bedingungen reichen die Erlöse beim Getreide derzeit nicht aus, um die Produktionskosten zu decken und eine wirtschaftlich tragfähige Erzeugung zu gewährleisten.
In den vergangenen Jahren hat Raps als Kultur wieder an Attraktivität gewonnen. So nahm die Anbaufläche gegenüber dem vergangenen Jahr um rund zehn Prozent zu. Die Erträge konnten mit dieser Entwicklung jedoch nicht Schritt halten: Im Durchschnitt wurden rund 36 Dezitonnen pro Hektar geerntet, nach rund 41 Dezitonnen im vergangenen Jahr.
Mit großer Sorge blickt der RLV zudem auf die noch auf den Feldern stehenden Herbstkulturen. Insbesondere Zuckerrüben, Mais und Kartoffeln leiden extrem unter der anhaltenden Dürre. Die jetzt gefallenen Niederschläge ändern daran nichts mehr. Bei diesen Kulturen ist daher mit deutlichen Ertragsrückgängen zu rechnen. Die anhaltende Trockenheit hat das Wachstum und den Ertrag bereits erheblich beeinträchtigt und die Pflanzen geschwächt.
Im Futterbau zeigt sich ein ähnliches Bild wie im Ackerbau. Auf dem Grünland konnten dank des wüchsigen Frühjahrs die ersten Schnitte des Jahres eingebracht werden, teilweise jedoch bereits mit Qualitätseinbußen. Seit Anfang Juli ist das Wachstum vielerorts deutlich ins Stocken geraten, sodass weitere Schnitte ausgeblieben sind. Ob ein später Schnitt mit nennenswerten Erträgen möglich sein wird, ist von Niederschlägen abhängig. Besonders dramatisch ist die Lage beim Mais: Auf einzelnen Standorten ist bereits jetzt mit massiven Ertragseinbußen bis hin zu Totalausfällen zu rechnen. „Für viele Betriebe entscheidet sich erst in den kommenden Wochen, wie groß der wirtschaftliche Schaden tatsächlich wird“, warnt Gussen.
Der RLV-Präsident sieht in der diesjährigen Erntebilanz ein weiteres Warnsignal für die wirtschaftliche Lage der Betriebe. „Unsere Familienbetriebe brauchen bessere Rahmenbedingungen, welche die Produktion nicht zusätzlich verteuern“, führt Gussen aus. Notwendig dafür seien wettbewerbsfähige Energie- und Betriebsmittelpreise sowie konkrete politische Antworten auf immer stärkere Marktrisiken.
Hier ist die Politik gefordert, den zunehmenden Ungleichgewichten in der Wertschöpfungskette entschlossen entgegenzutreten. Während Verbraucherinnen und Verbraucher für Lebensmittel stetig mehr aufwenden müssen, kommt bei den landwirtschaftlichen Betrieben davon nichts an. „Wer heimische Lebensmittelproduktion sichern will, muss den Betrieben wieder wirtschaftliche Perspektiven geben“, so RLV-Präsident Erich Gussen.





