Rheinischer Landwirtschaftsverband und Rheinischer Rübenbauer-Verband: Deutliche Absage an die Zuckerabgabe – wirksame Prävention statt Symbolpolitik
Bonn, 30. April 2026 – Der Rheinische Landwirtschaftsverband (RLV) und der Rheinische
Rübenbauer-Verband (RRV) lehnen die geplante Einführung einer Abgabe auf zuckergesüßte
Getränke ab. Das Ziel, den Zuckerkonsum – insbesondere bei Kindern und Jugendlichen – zu
senken, unterstützen beide Verbände ausdrücklich. Eine zusätzliche Abgabe ist dafür jedoch
das falsche Instrument: Sie schafft neue Bürokratie, belastet Verbraucherinnen und
Verbraucher ebenso wie Betriebe und zeigt nach bisherigen Erfahrungen keine verlässlich
nachweisbaren Effekte auf Übergewicht und Adipositas. RLV und RRV fordern die
Bundesregierung auf, die Pläne zu stoppen und stattdessen wirksame Prävention – etwa
Ernährungsbildung und Sportangebote für Kinder und Jugendliche – konsequent auszubauen.
Hintergrund der Debatte ist eine Abgabe auf stark gezuckerte Getränke im Zuge der Reform
der gesetzlichen Krankenkassen. Befürworter verweisen auf steigende Zahlen von Übergewicht
und Adipositas bei Kindern. Internationale Erfahrungen mit ähnlichen Strafabgaben zeigen
jedoch, dass die gesundheitlichen Effekte häufig gering, uneinheitlich oder statistisch kaum
belastbar sind. Aus Sicht von RLV und RRV ist es daher nicht verantwortbar, dafür dauerhaft ein
Steuer- und Kontrollregime mit zusätzlichen Verwaltungskosten aufzubauen.
„Eine Zuckerabgabe suggeriert Handlungsfähigkeit, löst das Problem aber nicht. Wir brauchen
keine neue Abgabe, sondern bessere Gesundheitskompetenz: verbindliche Ernährungsbildung,
mehr Bewegung im Alltag und gesunde, bezahlbare Ernährungsstandards in Kitas und Schulen.
Wer jetzt eine Steuer einführt, verlagert Verantwortung in die Geldbörsen der Menschen statt
in wirksame Prävention“, erklärt der RLV.
„Zucker ist ein Grundnahrungsmittel und darf nicht in eine Reihe mit Genussmitteln wie Tabak
oder Alkohol gestellt werden. Wer die Debatte über eine insgesamt zu hohe Kalorienaufnahme
in der Bevölkerung auf ein einzelnes Produktsegment verengt, greift zu kurz und lenkt vom
eigentlichen Handlungsbedarf ab. Auch zeigen internationale Erfahrungen, etwa aus
Großbritannien, dass dieses Instrument den politischen Anspruch, Übergewicht spürbar zu
reduzieren, nicht erfüllt,“ betont der RRV.
RLV und RRV setzen stattdessen auf einen wirksamen Maßnahmenmix: Ausbau von
Ernährungsbildung und Verbraucheraufklärung, bessere Verpflegungsstandards in öffentlichen
Einrichtungen, Förderung täglicher Bewegung sowie praxistaugliche, freiwillige
Reformulierungsziele in der Lebensmittelwirtschaft. Für diesen Weg stehen die Verbände für
einen konstruktiven Dialog mit Politik, Krankenkassen, Wissenschaft, Handel und Herstellern
bereit. Eine Zuckerabgabe gehört aus Sicht von RLV und RRV jedoch nicht dazu.





