Wintergerstenernte im Rheinland durch Hitzewelle früh gestartet
Bonn, 29. Juni 2026. Die Wintergerstenernte im Rheinland hat in diesem Jahr deutlich früher begonnen als üblich. Ursache ist die außergewöhnliche Hitze der vergangenen Tage mit Temperaturen von bis zu 40 Grad, wodurch die Bestände innerhalb kürzester Zeit ab reifte: während die Halme vielerorts noch grün waren, verloren die Ähren bereits Feuchtigkeit und erreichten vorzeitig die Druschreife. Bereits seit Anfang der vergangenen Woche sind die Mähdrescher auf den Feldern im Einsatz so dass die Ernte nun fast vollständig abgeschlossen ist.
Mit Erträgen von durchschnittlich 9 bis 10 Tonnen je Hektar bleibt die Ernte nach ersten Schätzungen rund sieben bis acht Prozent hinter dem Vorjahresergebnis zurück. Das für die Futterqualität wichtige Hektolitergewicht liegt in diesem Jahr zwischen 62 und 68 Kilogramm und damit leicht unter den Werten des Vorjahres. Verantwortlich dafür ist neben der Hitzewelle auch das kühle und niederschlagsreiche Frühjahr mit vergleichsweise wenigen Sonnenstunden.
Auch wirtschaftlich bleibt die Lage angespannt. Mit Erzeugerpreisen von teilweise unter 17 Euro je Dezitonne verharrt die Wintergerste auf einem niedrigen Preisniveau. Ursache ist vor allem die anhaltend rückläufige Nachfrage im Inland. Da Wintergerste überwiegend als Futtermittel eingesetzt wird, wirken sich die sinkenden Schweinebestände in Deutschland unmittelbar auf den Markt aus. Ein wachsender Teil der Ernte wird deshalb in Länder wie Spanien exportiert, wo die Tierhaltung in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut wurde.
„Die diesjährige Ernte zeigt einmal mehr, wie stark unsere Betriebe von Wetterextremen und den Entwicklungen auf den Agrarmärkten abhängig sind. Gleichzeitig fehlt es an einer langfristigen politischen Perspektive für die heimische Tierhaltung“, erklärt der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV). „Wer die Versorgung mit regional erzeugten Lebensmitteln sichern will, muss den Tierhaltungsstandort Deutschland stärken.“





